Taut – Klassik Heute, by Dr. Michael B. Weiß [16.07.2015]

http://www.klassik-heute.de/4daction/www_medien_einzeln?id=21482
Dass zwei mal zwei vier ergeben, nicht etwa die Addition von vier einzelnen Instrumentalisten, ist die Strukturidee des dänischen Corona Guitar Kvartet: „Two duos make a quartet“. Zwei feste Gitarrenduos, das von Per Dybro Sorensen/Michael Norman Sorensen sowie das von Kristian Gantriis/Volkmar Zimmermann, treten zusammen und stellen für die so zustandekommende Quartett-Besetzung gleichsam eine Art von vorgängiger Ordnung bereit: Nicht vier Solisten müssen sich hier koordinieren, sondern zwei bereits auf einander eingespielte Formationen.
Zu seinem 20. Geburtstag in diesem Jahr legt das Corona Guitar Kvartet eine zwar kurze, doch reichhaltig geratene Kompilation von fünf Werken vor, die zwischen 2006 und 2014 in Kopenhagen aufgenommen wurden. Vier von diesen Stücken gereifter bzw. reifer Komponisten und einer Komponistin sind Auftragskompositionen des Ensembles. Nur Edward Greens Quartett von 1975 fällt heraus, ein Jugendwerk, nicht zufällig deshalb wohl auch das kompositorisch konventionellste in seiner tonalen Anlage, der etwas schulmeisterlichen Imitationstechnik, aber auch einer seltenen Grazie. Im 2. Satz „Fantasia“ etwa sorgt ein Gewebe aus freien Ostinati und rezitativischen Passagen für Wohlklang. Auch, wenn dieses Stück vielleicht das Zeug zu einem Klassiker hat, könnte eine Revision sich noch lohnen: Gerade, als der letzte Satz „Rondo“ im Nichts zu verschwinden scheint, setzt die Musik noch einmal ein – eine Minderung des Effekts, die sich leicht beheben ließe. Deutlich wird diese auch, weil das Corona Kvartet ein solch atemberaubendes, gut koordiniertes Decrescendo hinbekommt.
Der Haltung nach am ehesten mit Green verwandt ist Fred Friths Alftanes von 2005, in seiner durch einen Islands-Aufenthalt angeregten Naturseligkeit auch das freundlichste Stück dieser Kompilation. Frith verwendet ein sehr reduziertes, mitunter auch populäres Material und überzeugt durch einen sehr schön verklingenden, ätherischen Schluß. Obwohl auch minimalistisch angehaucht, ist Alftanes durch seine rhythmischen Überlagerungen doch vielfältiger als Taut von Dorothy Hindman (2003), welches dem Album den Titel gibt. Hindmans Beitrag ist hier der am einfachsten gestrickte; zwar bildet das Stück verschiedene Abschnitte aus, doch das Material ist allzu leicht zu erfassen, durchzuhören und wird kaum einmal interessanten Variationen oder Neukombinationen unterzogen. Auch stellt sich in den wohligen Repetitionen und Klanglichkeiten der wohl intendierte Affekt der Angespanntheit, Zugeknöpftheit („taut“) gerade nicht ein.
Eben dies glückt Charles Norman Mason in seinem Stück Filibuster von 2003. Ein Filibuster ist eine im US-Senat erlaubte, wenn auch seltene Strategie, durch oftmals stundenlanges Dauerreden Beschlüsse zu verhindern. Glücklicherweise entwirft Mason in seiner sehr knappen, aber vielgliedrigen Studie ein außerordentlich breites Spektrum von Ereignissen mit schnellen Läufen, hart angerissenen Tutti, Tonwiederholungen, die in klangliche Phänomene überblenden, auch sehr leisen, schnellen Passagen, die das Corona Kvartet mit beeindruckender Flexibilität bewältigt. Ermüdung stellt sich somit nicht ein.
Die Krone aber der hier vom Corona Kvartet versammelten neueren Arbeiten gewissermaßen gebührt Cori Battenti des Römers Franco Sbacco von 2007. Sbacco läßt eines der Duette die Gitarren um einen Viertelton nach unten stimmen und reflektiert somit sehr geschickt die eingangs erwähnte Strukturidee des Ensembles selbst. Durch die vierteltönige Totalität kann Cori Battenti die klanglich reizvollste Atmosphäre evozieren, zumal die Verstimmung in der vom Komponisten geleisteten Organisiertheit nie falsch wirkt, sondern vielmehr bunt, und die ganze Komposition durch die dazukommenden kultischen Klopfgeräusche eine geradezu arkane Aura erhält. Allein dieses Stück lohnt schon die Anschaffung dieser wertvollen Kompilation.

Taut – Albany 1540 – Fanfare Magazine July/Aug 2015, by Maria Nockin

TAUT • Corona Gtr Qrt • ALBANY 1540 (47:41)
MASON Filibuster. GREEN Quartet for Guitars. HINDMAN Taut. SBACCO Cori Ballenti. FRITH Álftanes
In 1995, Volkmar Zimmermann and Per Dybro Sørensen founded the Corona Guitar Kvartet. Mikkel Andersen became a member in 2000, and a year later Kristian Gantriis joined the group. Having played together for many years, these artists respond as a single unit. Their touring and recording has enabled them to assume an important role in the development of the guitar quartet repertoire. On their recording entitled Taut, Charles Norman Mason’s Filibuster opens with bold rhythms that suggest warring political factions and opposing orations. The music gets softer, possibly because the orators are girding themselves with the new arguments they spout in Mason’s furious finale. It’s definitely a tour de force for the fine players of the Kvartet.
Edward Green, a professor at the Manhattan School of Music, wrote his three-movement quartet more than 30 years ago but surprisingly this is its first recording. He speaks of his desire to unite unlike qualities, in this case energy and thoughtfulness. For the first movement, he writes a robust allegro that starts and stops as it lurches toward its finale. Members of the Kvartet dialogue back and forth comfortably as they play this difficult music. The second movement, Fantasia, has a memorable melody with a rhythm that sounds like gentle raindrops falling on the glassy surface of a still brook. The rainfall becomes heavier before slowing to a stop. For the final Rondo, a wind whisks away the clouds and a warm sun warms lightens the surface of the brook.
Composer Dorothy Hindman says the inspiration for her piece Taut is the tightness of the guitar strings as well as the personal tensions felt by players in very tight ensemble situations. She speaks of their heightened emotional states and their ability to draw listeners into their musical milieu. To do this she presents four motives at the beginning of the piece and develops them by various means. It makes for a dramatic, highly strung piece.
Since 1983, composer Franco Sbacco has held the chair of harmony and analysis at Rome’s Santa Cecilia Conservatory of Music. He is known for the use of electronics, but he did not use any in Cori Battenti (Beating Hearts). He did, however, ask two of the Kvartet’s guitars to tune down a quarter tone. That tuning produces blocks of solid tone when all four play together. When they play separately, the music has a bell-like timbre. Sbacco never lets listeners forget that live artists with constantly beating hearts are giving a most ardent and technically expert performance of his music.
English rock guitarist Fred Frith, a founding member of Henry Cow, is the oldest composer represented on the disc. Having composed for electric guitars for a long time, Frith was not used to the narrow parameters of the acoustic instrument. Only after a stay at Álftanes, in Iceland, did he relate the less flamboyant possibilities of the acoustic guitar to music inspired by nature. He opens with music that sounds like tumbling waters that come from snowmelt. The birds pluck food from sea and land to feed their young. Frith brings us the rhythms of wind and water as he describes the profusion of wildlife that inhabits Iceland. Since all the works here are being presented for the first time, there are no comparisons. The sound is clear and the instruments are well presented on this most enjoyable recording. Maria Nockin
This article originally appeared in Issue 38:6 (July/Aug 2015) of Fanfare Magazine.

Transatlantic Tales – Klassik Heute, by Stefan Pieper [01.07.2015]

http://www.klassik-heute.de/4daction/www_medien_einzeln?id=21483
Sich forschend an ein Instrument annähern, Neues hervorbringen und dabei die Musik in den Dienst „außermusikalischer“ Botschaften stellen, um auf diese Weise noch tieferes zum Ausdruck zu bringen – solche spannenden Wege lotet die neue CD mit Kompositionen von Faye-Ellen Silverman aus. Sie ist eine US-amerikanische Komponistin abseits des Lauten und um jeden Preis Spektakulären. Die auf dieser CD vorgetellte Musik zeigt umso mehr, dass hier jemand konzentriert und verinnerlicht aus sich selbst heraus arbeitet und reflektiert. Und wenn es um Gitarrenmusik geht, hat die Komponistin mit dem Gitarristen Volkmar Zimmermann einen verlässlichen Partner, um sich im gemeinsamen Prozess am Ausdrucksspektrum der gezupften Saiten abzuarbeiten. Denn die Transatlantic Tales sind Musik für Gitarre und anderes, auch für mehrere Instrumente.
Die CD tut gut daran, zunächst bei den „Ursprüngen“ anzusetzen, wenn der Personalstil der Komponistin zunächst in einer Art Präludium vorgestellt wird. „Processional“ vermittelt in unprätentiöser Klarheit und nicht ohne selbst auferlegte formale Strenge zwischen fein gewebter und linearer musikalischer Entwicklung. Dabei darf sich auch einmal in tonale Grenzbereiche hinein getastet werden. Mit immer neuem Entdeckungspotenzial weitet sich der Rahmen kontinuierlich aus. Fließend wirkt der Übergang von solistischem Gitarrenspiel zum feinnervigen Ensembleklang. Ein deutlich früher komponiertes Triostück gebärdet sich unter den Händen dreier Saiten-Artisten viel rauer, ja regelrecht wütend mit seinen harschen Intervallsprüngen, später auch mit perkussiven Geräuscheffekten auf den Saiten.
Worte kommen ins Spiel. Das Stück Shadow ist kein Spaß. Denn mit der allegorischen Lyrik einer Emily Dickinson verarbeitet die Komponistin eigene Schicksalsschläge, vor allem den Verlust eines Lebenspartners. Skizzenhaft und fragil muten diese Fragmente an, wo man sich ja auch naturgemäß schwach fühlt. Aber stärkend wirkt ein lupenrein atmendes Gitarrenspiel. Das gibt Halt für die expressive Stimme von Marlene Bichel und das Klarinettenspiel von Maria Sook Garmark.
Ein metaphorisch aufgeladener Text von Oskar Wilde stand Pate für eine Triokomposition aus dem Jahr 2000. Hier überwiegen nachdenkliche Klänge und eine filigran verschränkte melodische Qualität. Und auch der unverbrauchte Schatz dänischer Lyrik tut sich hier auf – zu Recht, da ja auch einige Musikerinnen und Musiker aus dem nördlichen Nachbarland zu den Ausführenden dieser Produktion gehören. Und damit wird es dann endlich auch leichtfüßig auf dieser CD: Märchenhaft und sinnlich sind jene Danish Delights, in deren Zentrum die Schilderung eines Pierrots, eines anmutig tänzelnden und die Laute schlagenden Gauklers steht. Volkmar Zimmermann und Sara Fiil mit ihrem überirdisch-schönen Soprangesang erweisen sich hier als Traum-Duo, um imaginäre Bilder lebendig zu machen.
Viel Mut für das Unverbrauchte will hier an einen geneigten Hörer appellieren, sich auf Neues einzulassen. Und dieser Appell geht hier nicht nur an ausgesprochene Fans von Gitarrenmusik.

Transatlantic Tales – American Record Guide 74.6 (Nov 2011), by Kenneth Keaton

SILVERMAN: Processional; 3 Guitars; In Shadow; Wilde’s World; Danish Delights; Pregnant Pauses.
By Kenneth Keaton. American Record Guide 74. 6 (Nov 2011):
Corona Guitar Quartet; Maria Sook Garmark, cl; Ninnie Isaksson, v; Marlene Bichel, Sara Fiil, s; Jan Lund, t
Albany 1250-61 minutes

One of Segovia’s life goals was to enrich the guitar repertory with new works from living composers. The tradition continues, and in this case, Volkmar Zimmerman, the leader of the Korona Guitar Quartet of Denmark has inspired several works from New York composer Faye – Ellen Sdverman. I’m happy to say that each of these works is worthy, and most of the performances are quite fine.
Silverman’s style is similar to many of the 20th Century who wrote music that was agreeably dissonant, yet didn’t forsake tonality entirely. Sometimes I hear something of Britten, or perhaps of Bartok – this is the sort of music made by fellow women composers Joan Tower and Ellen Zwdich. Yet Silverman has her own voice, and each of the works has a clear personality.
Processional is her first work for solo guitar. She wanted the piece to sound guitaristic, and it does – remarkably, without sounding Hispanic.
3 Guitars is the most dissonant, and the most interesting, piece here. It was written for the Peabody Conservatory Guitar Ensemble, that was at that time a trio. It is in
arch form, with a fascinating array of sonorities, rhythms, accents, and effects.
In Shadow, a work from Sdverman’ s grad student days, uses the instrumentation of Webern’s Op. 18: soprano, guitar, and clarinet. The texts are dark poems by Emily Dickinson – the composer was responding to the death of a loved one at the time. The piece recalls George Cmmb; it has three songs, each
separated with an instrumental interlude – first guitar, then clarinet. She quotes ‘Skip to My Lou’ in the second song, to represent that life goes on in face of overwhelming grief.
Wilde’s World is a setting of Oscar Wdde’s poem “Roses and Rue”, for tenor, viola, and guitar. It brought to mind Britten’s Songs from the Chinese, perhaps because tenor Jan Lund’s voice is a bit like Peter Pears – and because the guitar and viola are playing counterlines rather than accompaniments.
Danish Delights is another Britten-like song cycle with three songs and an interlude for guitar. Texts are by Sara Teasdale, Corinna, and Thomas Campion. Soprano Sara Fiil has a small sound, but blends well with the guitar.
Finally, we get a three-movement work for the Korona Guitar Quartet, whose players have shared duties on the other works. Pregnant Pauses is, as you might suspect, an exploration of sdences in music. It is a fiendishly difficult work for the ensemble, and there are some rough spots; but overall the
performance is quite exciting.
Silverman is the real discovery here. I’ll seek out some of her other music. She is an inventive, original composer, challenging but not threatening. She
writes well for guitar, and the collective and individual contributions of the Corona Quartet are the best performances here.

Transatlantic Tales – IAWM(International Alliance of Women in Music), Journal Volume 17, No.2, 2011, by Julie Cross

Faye-Ellen Silverman:
Transatlantic Tales
Performers: Volkmar Zimmermann, Mikkel Anderson, Kristian Gantriis, Per Dybro Sørensen (guitarists); Malene Bichel and Sara Fiil (sopranos); Maria Sook Garmark (clarinetist); Ninnie Isaksson (violist); Jan Lund (tenor). Troy 1250, Albany Records (2011). Bonus video (playable on QuickTime)
JULIE CROSS
Faye-Ellen Silverman’s new CD is a celebration of her decades-long relationship with the guitar. The disc includes two pieces commissioned by guitarist Volkmar Zimmermann and the Corona Guitar Kvartet plus other works featuring the guitar as a solo or accompanying instrument. Silverman lists Zimmermann as her main collaborator, and this recording had its beginnings when the two dined together and discussed future compositions for the guitar. The title of disc, Transatlantic Tales, is symbolic of their transatlantic musical friendship. The CD begins with Zimmermann performing Processional (1996), a solo work that uses characteristic guitar techniques and is structured so that chordal sections alternate with non-chordal or contrapuntal sections. Some sections feature rhythmic patterns such as repeated-notes, triplets, and dotted rhythms. The work creates a vision of a parade, which, as it comes into view, seems to get faster and then recedes at the end as the procession moves away to music that is related to the opening. This is a beautiful piece that incorporates a full spectrum of dynamics. In Shadow, a cycle consisting of three songs and two interludes, was composed in 1972 after, and in response to, the death of Silverman’s boyfriend. It is scored for clarinet, guitar, and soprano—the same instrumentation as in Webern’s Three Songs, op.18—and the texts are by Emily Dickinson.
“Elysium,” the first song, is a duet that contrasts the soprano and the clarinet parts and expresses the pathos one feels while waiting for the medical diagnosis of someone dear. “Out of the Morning” is based on Dickinson’s poem “Will there really be a morning?” and depicts the difficulty of moving on with life after finding out that a beloved has received a terminal diagnosis. The well-known children’s song, “Skip to my Lou,” is incorporated to show that while one is suffering, life for others goes on and children continue to play. “In Shadow,” the third song, is a soprano-guitar duet that accurately matches music and text through the stages of grief, from anger to acceptance, with tempi and dynamics that mirror the emotions. This work is balanced, poignantly set, and deeply heartfelt. The performers are flawless and delicate in their approach. Malene Bichel’s fine soprano voice is full of subtle nuance, as are the instrumental performances of her partners: clarinetist Maria Sook Garmark and guitarist Mikkel Andersen.
Wilde’s World (2000) for tenor, viola, and guitar, commemorates the 100th anniversary of Oscar Wilde’s death, and is a setting of Wilde’s poem “Roses and Rue”. Silverman uses melismas and ornaments to depict the cultural ambience of late nineteenth-century art and music. The frequent use of melismas in the tenor part remind one of Britten’s operatic arias. The work is beautifully performed by Jan Lund, violist Ninnie Isaksson, and guitarist Kristian Gantriis. The trio features three very distinct and independent but supportive lines, yet with tone and color they appear to perform as one entity. The piece is generally through-composed with musical repetition mirroring Wilde’s word repetition. Both the text and music touchingly depict a failed relationship and its accompanying sadness. Silverman composed Danish Delights
in 2009 for Zimmerman and his duo partner, soprano Sara Fiil. This exquisite cycle ties together the poetry of Sara Teasdale, ancient Greek poet Corinna, and Renaissance poet Thomas Campion. Teasdale’s “Pierrot in his Garden” is the text for the first song. Zimmerman is represented by Pierrot, and the beautiful guitar part weaves around the vocal line. The second movement is an interlude in which the soprano gently sings (calls) Pierrot’s name. “Corinna’s Tale” begins with a soprano narration “…here is my story in song.” This is followed by a four-line poem in which Corinna declares Terpsichore to be her muse. When she sings the poem she is unaccompanied, and when she sings without words, in an entrancing step-wise melodic line, the guitar shadows her exactly. “Terpsichore Dances,” for solo guitar, captures the flavor of a Renaissance dance. The final movement, Campion’s “Corinna and her Lute,” begins in an unusual manner with a tuning of the guitar assisted by the voice. The song introduces thematic material from the previous movements
and ends gently. The entire set is imaginative and engaging to both the ear and the heart from start to finish!
Silverman was inspired by the sound of crickets, and their chirping serves as the basis of her 3 Guitars (1980). She uses chords built from seconds and sevenths, harmonics, and bowing the guitar strings to create special sonic effects. The work is carefully structured in an arch form that becomes louder and higher in the introduction and lower and softer at the end. The piece is imaginative as well as experimental. This recording concludes with the energetic Pregnant Pauses (2005). Silverman wrote this piece to explore the possibility of allowing her music to “breathe” more, and she explores the concept of incorporating pauses filled with anticipation and expectancy. She also wished to highlight the talents of the Corona Guitar Kvartet, for whom she wrote the piece. The first movement opens with an energetic, flamencostyle
repeated chord. Following this, a melody on the notes E-F-A-F-E is introduced, and it serves as a theme for all the movements. The second movement focuses on individual guitar melodies, with alternating independence of line and polyphony. In the final movement, the theme is altered and transposed, and melodic material and tempi from previous movements return. The QuickTime bonus video features images of mundane life in the morning such as a man reading his newspaper. The accompaniment is Processional, the first piece on the CD. This stop-motion animation sequence shows micro-processions: those of coffee in a cup or saucer, sugar cubes in and out of the coffee, fruit moving around a table as if heading toward a destination, etc. The film was produced in Berlin in 2010 by Nike Arnold and Clara Bausch. Silverman’s liner notes are wonderfully detailed, with an explanation of her approach in addition to the back-stories behind each piece. Complete song texts are included, along with a brief biography of each performer. Silverman organizes her notes chronologically according to order of composition, while the performance order itself is based more on optimum sound sequence. Each work is elegantly performed, and each piece on the disc is a compositional gem.
Julie Cross is IAWM Treasurer and Associate Professor of Music at University of Wisconsin-Whitewater. A frequent performer of the works of women composers, she recently sang the music of Giulia Recli at the IAWM Congress in Flagstaff.

Gitarre&Laute Online – Neue CDs, August 2010: Gitarrenquartett, by Peter Päffgen

https://www.gitarre-und-laute.de/index.php?option=com_content&view=article&id=104:neue-cds-august-2010-gitarrenquartett&catid=8&Itemid=102

Corona Guitar Kvartet
Werke von Bach, Ravel, Morley, Hsueh-Yung Shen, Piazzolla
Aufgenommen 2006/2007
Albany Records [Albany Records] TROY 1084
… die Dänen gehen sehr sensibel mit der Musik um …
♦♦♦♦
Corona Guitar Kvartet [Corona Kvartet]: Dan Marmorstein: Just before the Dawn
Aufgenommen im Mai 1994 und August 1998, erschienen 2001
tutl records [tutl records] FKT 17
Corona Guitar Kvartet [Corona Kvartet] Northpoints
Werke von John Frandsen, Østen Mikal Ore, Wayne Siegel, Hans-Henrik Nordstrøm, Sven Hedegaard
Aufgenommen 2002/2003
IRIS RECORDS [IRIS] IRISCD 0301. Das Lebel gibt es nicht mehr, die CD wird jetzt über Tutl vertrieben [tutl records].
Corona Guitar Kvartet [Corona Kvartet] Jonas Tamulionis: Selected Compositions for Guitar
Aufgenommen 2004
Albany Records [Albany Records] TROY 811

Die frischste CD, die mir vom dänischen Corona-Quartett vorliegt, macht den Eindruck, sie sei seine Debüt-CD. Da gibt es nämlich das Italienische Konzert BWV 971, „Ma Mère d’Oye“ von Debussy, ein paar Sätze von Thomas Morley und schließlich „Polarnætter“ von Hsueh-Yung Shen und vier Sätze von Astor Piazzolla. Aber verstehen Sie mich jetzt bitte nicht falsch! Das Quartett spielt keineswegs so, dass man es für blutige Anfänger halten könnte und die Musiker liefern auch kein Sammelsurium aus charmanten, risikoarmen aber rotzfrech virtuos daherkommenden Petitessen. Keineswegs!
Das Corona-Quartett aus Dänemark hat lange vor dieser „Debüt-CD“ kundgetan, dass es ganz andere Wege gehen will. Mehr als zehn Jahre vorher hat es eine CD mit Musik von Dan Marmorstein aufgenommen, mit Stücken, die sich ganz und gar nicht zu einem Debütprogramm eignen wollen … jedenfalls nicht zu dem Debüt von reisenden Virtuosen. Meine Meinung über die CD „Just before the Dawn“ habe ich schon 2002 kundgetan (in Gitarre & Laute, XXIV/2002, Nº 2, S. 15—16) und prinzipiell stehe ich zu ihr, bis auf die Tatsache vielleicht, dass ich die Aufnahme heute höher werten würde. Mindestens mit vier, vermutlich mit fünf Sternchen. Das liegt daran, dass ich die weitere Entwicklung des Quartetts jetzt kenne und dass ich das Standard-Repertoire zur Genüge genossen habe.
„Northpoints” war die zweite CD: „5 Contemporary Danish Works for Guitar Quartet”. „Neon Enlightened” von Østen Mikal Ore und „East L.A.Phase“ von Wane Siegel sind dabei für mich die Stücke, die diesem Programm einen roten Faden geben, eine Art Leitlinie … obwohl sie unterschiedlicher kaum sein können und obwohl sie keineswegs durch das Programm führen, sondern nebeneinander stehen. Das eine Stück, „Neon Enlightened” ist die leise und sensible Erzählung eines Kommens und Gehens … nein … des Kommens und Gehens. Des Entstehens der Welt. Klänge, die erst keine Nähe erkennen lassen, finden und vereinen sich, um sich aber gleich wieder zu verlieren und um am Schluss wieder auseinander zu driften und in die Stille hinab zu sinken. Oder „herab zu sinken“? Immer wieder kennt man Muster wieder, Klangmuster, die man eben erst gehört hat.
„East L.A.Phase“ treibt ein ganz anderer Puls. Auch hier finden sich kleinste Einheiten, um miteinander zu kopulieren und Neues entstehen zu lassen. Immer wieder und die Teile kommen sich immer näher, um sich dann wieder zu verlieren. „Phase shifting“ haben die amerikanischen Minimalisten das genannt. Parallel geht nicht, jedenfalls nicht in der „unendlichen“ Wiederholung.
Dybro Sørensen, Volkmar Zimmermann, Kristian Gantriis und Mikkel Andersen, das sind die Mitglieder des Quartetts, haben hier eine außerordentlich dichte und fein differenzierte Sammlung von Stücken vorgeführt. Man muss als Hörer Zeit haben, sich in diese Klangwelten fallen zu lassen. Wenn ich die Komponisten der anderen Stücke nicht erwähne, will ich damit nicht werten!
Szenenwechsel? Jonas Tamulionis ist aus Litauen, nicht aus Dänemark, und die Musik, die man hier zu hören bekommt, ist auch nicht ausschließlich für Gitarrenquartett geschrieben. Aber alle Stücke sind von Jonas Tamulionis!
Jonas ist 1949 in Vilnius geboren, hat dort studiert und lehrt heute das Fach „Computergesteuerte Notensatz-Techniken“ an der Musikakademie. Mit der Gitarre hatte er nichts zu tun bis er 1997 Volkmar Zimmermann kennenlernte, primus inter pares im Corona Guitar Kvartet. Jonas Tamulionis willigte ein, ein Stück für vier Gitarren zu schreiben: „Per suonare a Quattro“. Das Stück wurde in Kopenhagen uraufgeführt. Es ist des Komponisten Opus 257!
Irgendwie hat das Stück Mühe, in Gang zu kommen. Akkorde tauchen auf aus dem Nichts, stabilisieren sich … und verschwinden wieder. Sie fiebern ständig, vibrieren und flimmern. Hie und dort tut sich ein Ton hervor, tut sich hervor in der klanglichen Fläche. Aber ohne jede Konsequenz. Das Geschehen, in dem außerdem nichts geschieht, wird immer lauter und dominanter und das Klangchaos verschwindet wieder im Nichts, von wo es gekommen ist. Der zweite Satz dreht sich knapp drei Minuten um eine ostinate Folge des immer gleichen Akkords, umspielt sie, wehrt sich gegen sie, und vereint sich schließlich mit ihr. Dann kommt ein Satz, der in mir etwas anrührt. Eine Erinnerung an Cuba, an ein anderes, sehr vertrautes Stück für Gitarren. Meine Erinnerung ist sehr deutlich und sehr plastisch und sie irritiert mich. Den vierten Satz regieren wieder Akkorde – aber anders. Sie werden zerlegt und analysiert, nebeneinander, übereinander, in immer gleichen Figuren. Und dann schließlich lösen sie sich auf und es wird sehr rund und harmonisch. Der letzte Satz schließlich („Allegro molto con fuoco“ überschrieben) lebt auch von ostinaten Figuren, die sich durch das Stück ziehen und ostinat ist hier ein Akkord und es ist ein ständig repetiertes Muster, das drängt und sich durchsetzt … ohne das am Schluss zu schaffen. Es zerfließt und rinnt dahin und schließt dann klangmächtig.
Die anderen Werke von Jonas Tamulionis werden nicht vom Quartett gespielt und doch auf Gitarren. Ester Poli und Leopoldo Saracino, zwei italienische Musiker, gehören zum Ensemble. Elf Preludes für Gitarre solo werden gegeben, eine Sonate für zwei Gitarren und ein Trio. Die Werke entstanden zwischen 1978 und 2004.
Jonas Tamulionis liebt es, Klangteppiche auszurollen, auf deren Farben und Mustern sich Musiken bewegen, sich an ihnen reiben und sich dann auch mit ihnen vereinen. Dabei entstehen raffinierte, manchmal aber auch eher platte Cluster und oft beglückende Muster wie in „Perpetuum Mobile“ op. 292. Vieles ist minimal und dreht sich um sich selbst, vieles basiert auf ostinaten Formen, die harmonisch, rhythmisch oder einfach nur klanglich angelegt sein können. Muster, so interessant sie auch sein mögen und auch, wenn sie sich überschneiden, bleiben eine Art Rapport, den es musikalisch natürlich zu beleben gilt.

Und jetzt die CD, um die es hier eigentlich geht: Das Corona-Guitar-Kvartet hat seine Debüt-CD vorgelegt … hat es natürlich nicht! Aber es ist ihre erste CD, die aus einem heterogen zusammengesetzten Programm besteht, aus Stücken interschiedlicher stilistischer Herkunft, wie das für Bewerbungsschreiben oder Aufnahmeprüfungen verlangt wird. Aber die Musiker sind keine Debütanten, keine Novizen, die in die Gesellschaft der erwachsenen, ernstzunehmenden Musiker aufgenommen werden wollen.

Zunächst fällt auf, dass sich das Corona Kvartet durch größere Klangbreite auszeichnet. Die vier Gitarristen spielen nämlich nicht auf identisch besaiteten und identisch gestimmten Gitarren, sondern benutzen neben zwei herkömmlichen Instrumenten je eine Terzgitarre und eine achtsaitige, im Bass erweiterte Gitarre. Diese auf den ersten Blick geringe Änderung ergibt ein weiter gefächertes und differenziertes Klangbild.

Nun will ich keineswegs die Attraktivität, welche diese CD auf mich ausübt, nur auf die Instrumentierung zurückführen. Nein, die Dänen gehen sehr sensibel mit der Musik um, sie verstehen es, mit den klanglichen Vexierbildern zu spielen, die Maurice Ravel liefert, und zwar in einer sehr wirkungsvollen Transkription von Primo Beraldo; sie werden den fast vierhundert Jahre alten Instrumentalstücken aus der Sammlung von Thomas Morley gerecht, die Lebenslust mit royaler Zurückhaltung demonstrieren; und dann schaffen sie es auch noch, das Stück „Polarnætter“, was nichts anderes heißt als Polarnächte, von Hueh-Yung Shen, dem in Washington, DC, geborenen und dann bei der Boulanger in Paris und später bei Darius Milhaud (in Aspen) ausgebildeten Komponisten, darzustellen, und zwar atemberaubend dicht und dramatisch, sehr berührend und mystisch. Dass nach all dem auch die abschließenden Tangos von Astor Piazzolla gefallen, wundert nicht wirklich … allein, hier wäre etwas weniger Geradlinigkeit angebracht gewesen. Müssen diese Tangos nicht irgendwie aus dem Ruder laufen um als argentinische Tangos durchzugehen? Hier tun die Musiker des Corona Guitar Quartets etwas zu viel des Guten. Hier wird etwas zu klassisch skandiert, hier riecht man zu wenig die Atmosphäre des schmuddeligen Bordells am Rio de la Plata.