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Sich forschend an ein Instrument annähern, Neues hervorbringen und dabei die Musik in den Dienst „außermusikalischer“ Botschaften stellen, um auf diese Weise noch tieferes zum Ausdruck zu bringen – solche spannenden Wege lotet die neue CD mit Kompositionen von Faye-Ellen Silverman aus. Sie ist eine US-amerikanische Komponistin abseits des Lauten und um jeden Preis Spektakulären. Die auf dieser CD vorgetellte Musik zeigt umso mehr, dass hier jemand konzentriert und verinnerlicht aus sich selbst heraus arbeitet und reflektiert. Und wenn es um Gitarrenmusik geht, hat die Komponistin mit dem Gitarristen Volkmar Zimmermann einen verlässlichen Partner, um sich im gemeinsamen Prozess am Ausdrucksspektrum der gezupften Saiten abzuarbeiten. Denn die Transatlantic Tales sind Musik für Gitarre und anderes, auch für mehrere Instrumente.
Die CD tut gut daran, zunächst bei den „Ursprüngen“ anzusetzen, wenn der Personalstil der Komponistin zunächst in einer Art Präludium vorgestellt wird. „Processional“ vermittelt in unprätentiöser Klarheit und nicht ohne selbst auferlegte formale Strenge zwischen fein gewebter und linearer musikalischer Entwicklung. Dabei darf sich auch einmal in tonale Grenzbereiche hinein getastet werden. Mit immer neuem Entdeckungspotenzial weitet sich der Rahmen kontinuierlich aus. Fließend wirkt der Übergang von solistischem Gitarrenspiel zum feinnervigen Ensembleklang. Ein deutlich früher komponiertes Triostück gebärdet sich unter den Händen dreier Saiten-Artisten viel rauer, ja regelrecht wütend mit seinen harschen Intervallsprüngen, später auch mit perkussiven Geräuscheffekten auf den Saiten.
Worte kommen ins Spiel. Das Stück Shadow ist kein Spaß. Denn mit der allegorischen Lyrik einer Emily Dickinson verarbeitet die Komponistin eigene Schicksalsschläge, vor allem den Verlust eines Lebenspartners. Skizzenhaft und fragil muten diese Fragmente an, wo man sich ja auch naturgemäß schwach fühlt. Aber stärkend wirkt ein lupenrein atmendes Gitarrenspiel. Das gibt Halt für die expressive Stimme von Marlene Bichel und das Klarinettenspiel von Maria Sook Garmark.
Ein metaphorisch aufgeladener Text von Oskar Wilde stand Pate für eine Triokomposition aus dem Jahr 2000. Hier überwiegen nachdenkliche Klänge und eine filigran verschränkte melodische Qualität. Und auch der unverbrauchte Schatz dänischer Lyrik tut sich hier auf – zu Recht, da ja auch einige Musikerinnen und Musiker aus dem nördlichen Nachbarland zu den Ausführenden dieser Produktion gehören. Und damit wird es dann endlich auch leichtfüßig auf dieser CD: Märchenhaft und sinnlich sind jene Danish Delights, in deren Zentrum die Schilderung eines Pierrots, eines anmutig tänzelnden und die Laute schlagenden Gauklers steht. Volkmar Zimmermann und Sara Fiil mit ihrem überirdisch-schönen Soprangesang erweisen sich hier als Traum-Duo, um imaginäre Bilder lebendig zu machen.
Viel Mut für das Unverbrauchte will hier an einen geneigten Hörer appellieren, sich auf Neues einzulassen. Und dieser Appell geht hier nicht nur an ausgesprochene Fans von Gitarrenmusik.

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