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Dass zwei mal zwei vier ergeben, nicht etwa die Addition von vier einzelnen Instrumentalisten, ist die Strukturidee des dänischen Corona Guitar Kvartet: „Two duos make a quartet“. Zwei feste Gitarrenduos, das von Per Dybro Sorensen/Michael Norman Sorensen sowie das von Kristian Gantriis/Volkmar Zimmermann, treten zusammen und stellen für die so zustandekommende Quartett-Besetzung gleichsam eine Art von vorgängiger Ordnung bereit: Nicht vier Solisten müssen sich hier koordinieren, sondern zwei bereits auf einander eingespielte Formationen.
Zu seinem 20. Geburtstag in diesem Jahr legt das Corona Guitar Kvartet eine zwar kurze, doch reichhaltig geratene Kompilation von fünf Werken vor, die zwischen 2006 und 2014 in Kopenhagen aufgenommen wurden. Vier von diesen Stücken gereifter bzw. reifer Komponisten und einer Komponistin sind Auftragskompositionen des Ensembles. Nur Edward Greens Quartett von 1975 fällt heraus, ein Jugendwerk, nicht zufällig deshalb wohl auch das kompositorisch konventionellste in seiner tonalen Anlage, der etwas schulmeisterlichen Imitationstechnik, aber auch einer seltenen Grazie. Im 2. Satz „Fantasia“ etwa sorgt ein Gewebe aus freien Ostinati und rezitativischen Passagen für Wohlklang. Auch, wenn dieses Stück vielleicht das Zeug zu einem Klassiker hat, könnte eine Revision sich noch lohnen: Gerade, als der letzte Satz „Rondo“ im Nichts zu verschwinden scheint, setzt die Musik noch einmal ein – eine Minderung des Effekts, die sich leicht beheben ließe. Deutlich wird diese auch, weil das Corona Kvartet ein solch atemberaubendes, gut koordiniertes Decrescendo hinbekommt.
Der Haltung nach am ehesten mit Green verwandt ist Fred Friths Alftanes von 2005, in seiner durch einen Islands-Aufenthalt angeregten Naturseligkeit auch das freundlichste Stück dieser Kompilation. Frith verwendet ein sehr reduziertes, mitunter auch populäres Material und überzeugt durch einen sehr schön verklingenden, ätherischen Schluß. Obwohl auch minimalistisch angehaucht, ist Alftanes durch seine rhythmischen Überlagerungen doch vielfältiger als Taut von Dorothy Hindman (2003), welches dem Album den Titel gibt. Hindmans Beitrag ist hier der am einfachsten gestrickte; zwar bildet das Stück verschiedene Abschnitte aus, doch das Material ist allzu leicht zu erfassen, durchzuhören und wird kaum einmal interessanten Variationen oder Neukombinationen unterzogen. Auch stellt sich in den wohligen Repetitionen und Klanglichkeiten der wohl intendierte Affekt der Angespanntheit, Zugeknöpftheit („taut“) gerade nicht ein.
Eben dies glückt Charles Norman Mason in seinem Stück Filibuster von 2003. Ein Filibuster ist eine im US-Senat erlaubte, wenn auch seltene Strategie, durch oftmals stundenlanges Dauerreden Beschlüsse zu verhindern. Glücklicherweise entwirft Mason in seiner sehr knappen, aber vielgliedrigen Studie ein außerordentlich breites Spektrum von Ereignissen mit schnellen Läufen, hart angerissenen Tutti, Tonwiederholungen, die in klangliche Phänomene überblenden, auch sehr leisen, schnellen Passagen, die das Corona Kvartet mit beeindruckender Flexibilität bewältigt. Ermüdung stellt sich somit nicht ein.
Die Krone aber der hier vom Corona Kvartet versammelten neueren Arbeiten gewissermaßen gebührt Cori Battenti des Römers Franco Sbacco von 2007. Sbacco läßt eines der Duette die Gitarren um einen Viertelton nach unten stimmen und reflektiert somit sehr geschickt die eingangs erwähnte Strukturidee des Ensembles selbst. Durch die vierteltönige Totalität kann Cori Battenti die klanglich reizvollste Atmosphäre evozieren, zumal die Verstimmung in der vom Komponisten geleisteten Organisiertheit nie falsch wirkt, sondern vielmehr bunt, und die ganze Komposition durch die dazukommenden kultischen Klopfgeräusche eine geradezu arkane Aura erhält. Allein dieses Stück lohnt schon die Anschaffung dieser wertvollen Kompilation.

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